Die Rolle der Fotografie im amerikanischen Bürgerkrieg

Hunderte Fotografen machten aus dem Grauen des Sezessionskrieges ein Geschäft. Der berühmteste von ihnen war Mathew Brady.

in der Zeit von 1862  bis 1865 wurden mehr als 25 Millionen Fotos gemacht! Sie kamen vor der großen Schlacht, um in einem Medium unsterblich zu werden, das so jung war wie sie. Eine Generation von Amerikanern saß um 1860 in Bretterstudios und Zelten Modell, in Uniform und schwer bewaffnet, die Bärte gebürstet, die Blicke stolz, eitel, kämpferisch und unverwundbar. Mütter, Schwestern, Verlobte mochten sie bestürmt haben, sich der neuen Fotografie anzuvertrauen.

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Fotografie war das Facebook der Amerikaner Mitte des 19. Jahrhunderts. Die jungen Männer präsentierten sich, wie sie gelebt haben wollten und wie man sich ihrer erinnern sollte: draufgängerisch und optimistisch. Das Medium war demokratisch billig; 30 Cents zahlte ein bewaffneter Kerl im karierten Hemd, der irgendwo vor einem Baum posiert, an Mathew Brady.

Fotograf wurde erst durch den Krieg ein Boomberuf, Hunderte reisten im Tross der Armeen von Schlacht zu Schlacht, von Lager zu Lager. "Die Ansammlung dieses riesigen Schatzes", notiert der New Yorker Kurator Jeff Rosenheim, "eine visuelle Nationalbibliothek eigener Art, schuf etwas, was die Armeen und ihre Führer nicht vermochten: Er definierte die Nation, und vielleicht half er, sie zu vereinen, durch einen ungeplanten, nicht vorgeschriebenen Akt, kollektive Erinnerung zu schaffen."

Gen. Ulysses S. Grant, Cold Harbor, Virginia; photograph by Mathew Brady, 1864. National Archives, Brady Collection, Civil War Photographs

Gen. Ulysses S. Grant, Cold Harbor, Virginia; photograph by Mathew Brady, 1864.

National Archives, Brady Collection, Civil War Photographs